„Jede vierte Frau wird in ihrem Leben Opfer von häuslicher Gewalt“ – Familienbüro der Stadt Melle rückte anlässlich des Weltfrauentages ein Tabuthema in den Blickpunkt der Öffentlichkeit

Der gefährlichste Ort für Frauen ist nicht etwa die Tiefgarage oder der düstere Bahnhofsvorplatz, sondern das eigenes Zuhause. Dort wird jede vierte von ihnen mindestens einmal im Leben Opfer von häuslicher Gewalt. Das Familienbüro der Stadt Melle nahm den diesjährigen Weltfrauentag zum Anlass, das Tabuthema in den Fokus einer besonderen Veranstaltung zu stellen, die jetzt unter Beteiligung von rund 20 interessierten Frauen in der Stadtbibliothek Melle stattfand. Das Motto des Abends: „Hinter verschlossener Tür!“

In ihrer Begrüßungsansprache rief die Gleichstellungsbeauftragte Marita Feller in Erinnerung, dass das Familienbüro seit dem Jahre 2014 anlässlich des Weltfrauentages Veranstaltungen zu unterschiedlichsten Themen durchführe – dieses Mal zum Themenkomplex „Häusliche Gewalt“. Dass es sich hierbei um ein Themenfeld handelt, das auch Frauen aus der Region berührt, belegte die Rednerin mit einer aufrüttelnden Zahl: „In der Stadt und im Landkreis Osnabrück werden alljährlich rund 1.000 Fälle von häuslicher Gewalt bei der Polizei zur Anzeige gebracht“, berichtete sie. Es sei allerdings davon auszugehen, dass die Dunkelziffer deutlich höher liege.

Häusliche Gewalt sei nach wie vor ein Tabuthema und werde in der öffentlichen Diskussion unzureichend diskutiert, meinte Marita Feller. „Deshalb ist es so wichtig, dieses Thema mit der heutigen Veranstaltung stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen.“

Worte des Dankes richtete die Gleichstellungsbeauftragte abschließend an Marion Brörmann vom Familienbüro, die die Veranstaltung organisiert hatte. In diesen Dank schloss die Rednerin Ulrike Koop für die freundliche Aufnahme in die Stadtbibliothek Melle ein.

Andrea Gebbe und Hans Ludger vom Fachzentrum Faust des Diakonischen Werks waren es, die im Folgenden unter dem Leitgedanken „Hinter verschlossener Tür“ über häusliche Gewalt informierten. Die Referenten gaben dabei einen Einblick in die Realität dieses Tabuthemas und informierten über das Ausmaß erfahrener Gewalt – und darüber hinaus zeigten sie Hilfsmöglichkeiten und Beratungsangebote auf.

Im Anschluss an den Vortrag nutzten die Veranstaltungsteilnehmerinnen die Gelegenheit, mit Andrea Gebbe und Hans Ludger Fragen ins Gespräch zu kommen. 

Begegnung anlässlich des Weltfrauentages: (von links) Marita Feller, Andrea Gebbe, Gerda Hövel, Hans Ludger, Marion Brörmann und Ulrike Koop.

Foto: Stadtverwaltung Melle