Häusliche Gewalt: Opfer im Landkreis Osnabrück finden Hilfe in Praxen

Häusliche Gewalt: Opfer im Landkreis Osnabrück finden Hilfe in Praxen

Osnabrück. In diesen Tagen erhalten alle Hausärzte, Gynäkologen und chirurgische Ambulanzen im Landkreis Osnabrück Post von der Ärztekammer Niedersachsen. Darin werden sie gebeten, sich weiter im Kampf gegen häusliche Gewalt für die Opfer einzusetzen.

Das Schreiben enthält nicht allein Hinweise zur Untersuchung, zur Bewertung von Symptomen und zum Umgang mit den Patientinnen, sondern auch Info-Material für die Frauen. So werden unter anderem Aufhänger verschickt mit Visitenkarten, auf denen alle Hilfseinrichtungen in Stadt und Landkreis Osnabrück aufgeführt sind.

Der in Deutsch, Türkisch und Russisch beschriftete Aufhänger soll auf der Toilette angebracht werden, dem einzigen Ort, den Patientinnen in Begleitung ihrer Partner allein aufsuchen, sagte Heike Bartling vom Kinder- und Frauenschutzhaus Bersenbrück bei der Vorstellung des Projektes im Kreishaus.

Kämpfen gegen die häusliche Gewalt: (von links) Anita Kamp (ehrenamtliche Beraterin Kriminalprävention beim Landkreis), Regina Bien (Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Bersenbrück), Susanne von Garrel (Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises), Gisbert Voigt (Vizepräsident Ärztekammer Niedersachsen), Heike Bartling (Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt in Bersenbrück), Monika Schulte (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Georgsmarienhütte). Foto: privat

 

Die Idee sei im Arbeitskreis häusliche Gewalt entwickelt worden, erläuterte Susanne von Garrel, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises. Die Umsetzung erfolge in Zusammenarbeit mit der Ärztekammer Niedersachsen. Deren Vizepräsident Gisbert Voigt dankte für die weiterführende Aktion. Seit Einführung des Gewaltschutzgesetzes im Jahr 2002 stelle die Kammer ihren Ärzten Material zur Hilfe beim Umgang mit den Opfern zur Verfügung.

In den vergangenen Jahren habe es eine hohe Steigerungsrate bei den Anzeigen gegeben, sagte von Garrel. Allein im vergangenen Jahr hätten die beiden Beratungs- und Informationsstellen in Stadt und Landkreis Osnabrück 810 polizeilich registrierte Fälle häuslicher Gewalt registriert. Dennoch gebe es weiterhin eine hohe Dunkelziffer.

Häusliche Gewalt oder Partnerschaftskonflikte seien oft Grund für Tötungsdelikte. Mit der Opferarbeit allein sei es deshalb nicht getan, meinte die Gleichstellungsbeauftragte. Das Land müsse endlich für eine flächendeckende Täterarbeit sorgen und nicht allein Modellprojekte wie das Fachzentrum gegen Gewalt Faust in Osnabrück finanzieren.

Als erfolgreich habe sich auch die von der Polizei Unna praktizierte Ansprache der Täter auch Wochen nach dem Übergriff erwiesen: Dort habe es seither kein Tötungsdelikt mehr gegeben.

 

aus NOZ 21.11.2012

http://www.noz.de/lokales/68047175/haeusliche-gewalt-opfer-im-landkreis-osnabrueck-finden-hilfe-in-praxen